Kirche und Staat

      1 Kommentar zu Kirche und Staat

Liebe Burgdorferinnen und Burgdorfer,

ich möchte Ihnen gern eine Frage weiterreichen, die mich persönlich schon länger beschäftigt.

Sie rückt immer dann in den Fokus, wenn Finanzskandale der Kirchen durch die Medienwelten geistern, wie erst kürzlich der Artikel um Spekulationen der Kirche in Höhe von geschätzten 60 Millionen Dollar oder die Affäre von Limburg, vor einigen Jahren.

Im vergangenen Herbst wurden von einer Initiative „Correktiv“ 27 Bistümer aufgefordert, ihr milliardenschweres Vermögen aus Kirchensteuer und historischem Vermögen offenzulegen. Der Antrieb dahinter war, festzustellen, ob Anlagen z.B. klimafreundlich sind. Natürlich wurde dem nicht entsprochen, und so liegt der Vorgang nun als Klage beim Verwaltungsgericht in Köln.

Der Antrieb scheint berechtigt, mir persönlich jedoch insgesamt zu einseitig. Es wäre nicht nur wichtig auf Klimafreundlichkeit zu schauen.

Was bedeutet das für Burgdorf?

Über die sogenannten „freiwilligen Leistungen“ gibt die Stadt per Ratsbeschluss Gelder an diverse Aufgaben, Träger und Vereine zur Unterstützung ihrer Tätigkeiten. Von der Seniorenbegegnungsstätte, über die Musikschule bis Theater und Jugend- und Freizeitheim.

Empfänger dieser Mittel sind Träger. Entweder Vereine, oder auch kirchliche Organisationen wie Caritas oder Diakonie. Gewöhnlich müssen dafür Anträge gestellt werden, z.B. wenn ein Turnverein sich neue Turnmatten anschaffen möchte und hierfür um Zuschüsse bittet. In diesem Antrag ist auch die Kostenhöhe mitzuteilen, sofern eine realistische Einschätzung dies ermöglicht.

Gedankenspiel:

Jetzt stehen 2 juristische Personen vor mir. Der eine ist der kleine örtliche Turnverein und bittet um 1000 EUR, die andere juristische Person ist die Diakonie, die z.B. für die Seniorenarbeit 1000 EUR für sich beanspruchen möchte? WEM gebe ich nun das Geld?

Beide Male soll es den Menschen vor Ort zukommen. Keiner ist mehr wert, als der andere. Jeden möchte ich zu seinem Recht kommen lassen. Eine schwierige Entscheidung.

Also habe ich überlegt, was geschieht mit der natürlichen Person? Sprich jedem Bürger? Jeder Mensch, der hier heutzutage Leistungen beantragen möchte, von Grundsicherung bis hin zur Eingliederungshilfe für behinderte Bürger, muss neben seinem Antrag sämtliche finanzielle Vermögen offen legen.

Der Teilhabeantrag für Zuschüsse behinderter Menschen aus der Region Hannover regelt z.B. Zuschussbeträge für Gelder zwischen 400-1200 EUR, damit Betroffene diese Gelder verwenden können um am sozialen, kulturellem Leben teilnehmen können. Eine Fahrt zum Fußballspiel oder ein Besuch der Oper.

Wissen Sie, was diese Menschen den Behörden vorlegen müssen? Sie müssen ihrem Antrag sogar ihr „Scheidungsurteil“ vorlegen, sofern eine solche vorliegt. Weil sich daraus ggf. Vermögensansprüche ableiten ließen.

Das nenne ich „Würde nehmen“! Denn dieser Mensch muss betteln, einmal beim Amt und einmal vielleicht sogar bei seinem Exgatten. Was geschieht mit dem Selbstwertgefühl dieser Person? Das ist im Keller und er lässt es lieber ganz, als sich dem Schamgefühl auszusetzen.

Nun zurück zur Kirche! Ich weiß Bistümer, Landeskirchen und Kirchenkreise haben ein unermessliches Vermögen angehäuft. Es geht um viele Millionen EURO. Kirchensteuer, Spendengelder und historisches Vermögen.

Im „Diensthandbuch“ der Kirchen (auch Bibel genannt) stehen aber keine Anlagetipps, sondern Werte wie, Demut, Treue, Nächstenliebe, Teilen. Immer unterstrichen mit passenden Geschichten. Jesus vertrieb auch die Händler aus den Synagogen, als diese Handel trieben. Er nahm auch keinen Eintritt, für seine Bergpredigt und kein Honorar für die Erweckung der Toten. Sein „Stab“ bestand nicht aus Anlageberatern und Würdenträgern.

Zurück zur Frage? Wem gebe ich nun die 1000 EURO Zuschuss? Dem kleinen Verein, oder dem kirchlichen Träger?

Ich schlage vor, die Antragsteller legen ihre Vermögensverhältnisse genauso offen, wie es vom einzelnen Bürger auch verlangt wird. Und da gilt es zu beachten, dass nicht das kleine Pfarrbüro einen Kontoauszug schickt. Die werden nämlich von den Bistümern ganz kurz gehalten. Nein, die Landeskirchen, zu denen die ganzen, kleinen Organisationen gehören.

Der „Dienst am Menschen“ ist deren innerer Überzeugung nach der ausschlaggebende Antrieb für diese Berufswahl. Wenn ich Gutes tun, helfen und Nächstenliebe predige, halte ich dafür nicht die Hand auf. Allenfalls sollte da eine schwarze Null stehen – selbstverständlich unterstütze ich dann auch. Verdiene ich aber daran – so dass wir jetzt von Millionen- und Milliardenvermögen reden müssen – dann bin ich kein „Christ“ sondern ein „Kapitalist“. Das ist ein großer Unterschied!

Ich habe den Kollegen im Fachausschuss Haushalt, Finanzen und Verwaltungsangelegenheiten diese Sicht einmal angetragen. Man lachte über mich. Damit kann ich leben. Aber ist diese Überlegung so seltsam?

Ich lade Sie ein: teilen Sie mir gerne Ihre Sichtweise dazu mit. Es gibt sehr viele Argumente dafür oder dagegen. Keine ist richtig oder falsch. Man muss sich innerlich positionieren und das ist nicht einfach.

Ich grüße Sie herzlich und freue mich auf Gespräche!

Ihre

One thought on “Kirche und Staat

  1. Peter H.

    Interessante Gedanken, denen ich mich nur anschließen kann und ich vermute, viele andere Menschen auch. Da sie aber von einer AfD-Frau kommen, dürften sich die wenigsten positiv dazu äußern, so wie im Rat darüber gelacht wird. Denn wie dichtete schon Franz-Josef Degenhardt, Rechtsanwalt und DKP-Mitglied in den 70er Jahren? “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder!” Damals war das auf die Linken bezogen, heute ist an deren Stelle eine andere Partei getreten …

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